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JÄNNER

WALDUNGEN

DER WALD STROTZT NUR SO VOR LEBEN, DAS SICH SELBST IM TOTHOLZ REGT


Oberösterreich ist ein Wald- und Holzland. 498.000 Hektar, das sind fast 42 Prozent der Landesfläche sind bewaldet. Neben der Produktion des Rohstoffes Holz erfüllt der Wald zahlreiche weitere wichtige Aufgaben für uns Menschen. Er bietet Schutz vor Steinschlag, Murenabgängen, Lawinen und Hochwasser, reinigt unser Trinkwasser und verbessert die Luft durch seine Filterwirkung.

 

Und viele Menschen suchen im Wald Erholung. NATURSCHAUSPIEL begibt sich mit Wald-Experten auf diesen spannenden Schauplatz und bietet in einer Reihe von Themenführungen Wissensvermittlung, Ruhe und Entspannung, aber auch beeindruckende Erlebnisse. Die Highlight-Tour zum Thema führt in den Böhmerwald, der eine eigene Schule mit einem erstklassigen Vermittlungsteam beherbergt.



W“ wie „wir“, „a“ wie „alle“, „l“ wie „leben“ und „d“ wie „davon“. Ein nicht mehr ganz neues und immer noch einprägsames Wortspiel, das in Summe „Wald“ ergibt. Und das daran erinnert, wie sehr wir auf den Wald angewiesen sind. Auf den Wald als riesigen CO2-Speicher und gigantische Klimaanlage. Als Schutz vor Bodenerosion und als Wasserreservoir ebenso wie als schier unerschöpflichen Rohstofflieferanten und Erholungsraum.

Wie eng verknüpft unser Leben mit dem Wald ist und wie viel wir vom Wald über das Leben lernen können, das wissen die Waldpädagogen auf der NATURSCHAUSPIEL-Bühne. Im oberösterreichischen Süden erschließen sie den Schauspielbegeisterten die Lebensgeschichten des Waldes auf der Jagd nach dem „Schatz im Almtal“, im Naturpark Attersee-Traunsee oder im Nationalpark Kalkalpen, wo die NATURSCHAUSPIEL-Besucher einen echten Urwald erkunden. Am anderen Ende des Landes ist es die Böhmerwaldschule im hohen Norden, die auf das Prinzip „im Wald vom Wald lernen“ setzt.

Die Schule im Wald

Im und um das ehemalige Forsthaus des Stiftes Schlägl in Sonnenwald auf dem Gemeindegebiet von Ulrichsberg können Kinder und Erwachsene das Leben im Wald hautnah erleben. Waldmenschen wie Bezirksförster Rupert Fartacek nehmen sie dabei an der Hand und führen sie in das Klassenzimmer der Böhmerwaldschule: in den Wald. Wer mit einem Forstfachmann wie Rupert Fartacek durch den Wald streift, bekommt ein Gefühl für die Fülle und den Reichtum des Lebens im Reich der Bäume. Eines Lebens, das sich in einem logischen Kreislauf von Werden und Vergehen, von Geboren werden und Sterben vollzieht. Die Übergänge zwischen Sein und Nichtmehrsein sind fließend, die Grenzen unbestimmt. „Totholz“ heißen die abgestorbenen Bäume auf der Mühlviertler Seite, „trockener Wald“ nennen sie die nahen tschechischen Nachbarn poetischer. Doch was heißt „abgestorben“ wirklich? Bäume sind sterblich, doch nie wirklich tot.

Zwischen Leben und Tod

„In einem toten Baum ist mehr Leben als in einem grünen“, lautet ein Waldsprichwort. Wenigstens fünf und idealerweise 30 Festmeter Totholz je Hektar braucht ein gesunder Wald. Je mehr Totholz, desto mehr Arten profitieren von den Bäumen, die im Stehen von ihrer Lebenskraft verlassen oder vom Blitz getroffen worden sind. Der Tod ist die Bedingung neuen Lebens. Von den Baumkörpern zehren Pilze und Insekten. Im Totholz nisten die Fledermäuse, hämmern die Spechte, wohnen Waldgeister und Zwerge (wie die Kinder in der Waldschule lernen). Die stehenden Baumtoten schützen ihre Nachkommen als Blitzableiter und die im Sturm gefallenen Stämme bereiten den Jungbäumen ein Keimbett, wenn sie sich zersetzen und den Waldboden mit Nährstoffen düngen. Das alles erfährt man bei NATURSCHAUSPIEL unter anderem mit dem Förster und österreichischen Waldbotschafter Fritz Wolf bei seinen Waldschätzen im Almtal.

Leise und langsam

Das Waldleben ist still und langsam, seine Zyklen und Übergänge dauern mitunter mehrere Menschenleben lang. Das Hinübersterben eines Baumes kann gut und gerne 30 Jahre dauern, und sogar 10 Jahre nach dem eigentlichen Tod ist die Wasserversorgung in der Baumkrone noch intakt. Jeweils 300 Jahre braucht eine Linde zum Werden, zum Bestehen und zum Vergehen. Manchmal versteinern Bäume auch regelrecht und es kommt vor, dass 6.000 Jahre alte Eichenleichen entdeckt werden.



 

vermittler fartacek niederdoeckl gabriel

 

NATURVERMITTLER/IN IM PORTRÄT

RUPERT FARTACEK, IRIS NIEDERDÖCKL, HERMANN GABRIEL, MICHAELA BAUMANN

 

Wo sich Österreich und Tschechien „Ahoj“ bzw. „Servus“ sagen, erstreckt sich das wahrscheinlich größte Klassenzimmer des Landes: der Böhmerwald. Ihn hat sich die Böhmerwaldschule als riesigen Lehrsaal für Jung und Alt zu eigen gemacht. Der Wald ist Schauplatz und Spielplatz, Labor, Museum und Märchenwelt in einem. Hier unterrichten, vermitteln und begleiten Bezirksförster, Waldwirtschaftslehrer (und quasi Böhmerwaldschuldirektor) Rupert Fartacek und das Team der Böhmerwaldschule, darunter Michaela Baumann, Hermann Gabriel und Iris Niederdöckl.

 

Auf dem Lehrplan des Lebens steht die Natur mit ihrem nie endenden Zirkel von Werden und Vergehen. Wie das Leben dabei den Tod braucht, das zeigen die Naturvermittler der Böhmerwaldschule ihren „Schulklassen“ gerne am Beispiel Totholz. Denn die abgestorbenen Bäume gehören zu einem gesunden Forst wie die Fichten zum Böhmerwald.

Im „trockenen Wald“, wie das Totholz auf der tschechischen Seite heißt, leben nicht nur die Zwerge (so wissen es Iris Niederdöckl und Michaela Baumann den Waldschulkindern glaubhaft zu versichern), sondern viele verschiedene Tier-, Pilz- und Insektenarten. „In einem toten Baum“, sagt Rupert Fartacek, „ist in Wirklichkeit mehr los als in einem lebendigen.“ Gestorbene Bäume bringen nicht nur Artenvielfalt hervor, sondern bereiten als nährstoffreiches Keimbett für Jungpflanzen der Waldverjüngung den Weg.

 

 

art bartflechte

 

PFLANZENPORTRÄT DES MONATS

BARTFLECHTE

AUCH BÄUME TRAGEN BART

 

Unter Bartflechten versteht man Flechten, die oft in langen Girlanden von den Bäumen herabhängen. Besonders üppig wachsende Arten werden im Volksmund auch als „Altmännerbart“ bezeichnet. Besonders die Arten der Gattungen Bryoria und Usnea verleihen manchem luftfeuchten und kühlen Bergwald einen fast regenwaldähnlichen Charakter. Infolge der Luftverschmutzung sind heute viele Arten in der böhmischen Masse und im Alpenraum verschwunden. Darunter auch die durch ihre meterlangen „Fäden“ auffällige Usnea longissima, die ihre letzten Refugien im Almtal und am Gosausee verloren hat. Der hohe Vitamin-C-Gehalt dürfte dafür verantwortlich sein, dass bereits die alten Ägypter diese Flechten gegen eine Vielzahl von Krankheiten eingesetzt haben. Heute wird besonders die antimikrobielle Wirkung der Usninsäure gegen Hautinfektionen geschätzt.

 

Die Gewinnspiele werden monatlich durchgeführt, Frist bis jeweils 30ten des Monats. Die Verlosung erfolgt bis zum 7ten des Folgemonats, die Gewinner werden schriftlich informiert. Hier die Teilnahmebedingungen

gewinnspiel

Gewinne für 10 Personen die Tour „Tot oder Lebendig“ im Böhmerwald. Fülle einfach das Formular aus & los geht’s! Viel Glück! (Gewinn bis Juni 2017 einlösbar)

highlighttouren2016 11

TOT ODER LEBENDIG

Den Plafond des Mühlviertels erwandern. Bei dieser Wald-Tour wird die Grenze zwischen dem Nationalpark Sumava und den Natura 2000 Europaschutzgebieten in Österreich und Tschechien erwandert. Dabei werden uralte Baumriesen, Granitfindlinge, Blockburgen, Totholz und Kadaververjüngung entdeckt. Grenzerfahrungen über Werden und Vergehen des Waldes werden ebenso gesammelt wie Naturschutz, Borkenkäfer und das Wirtschaften mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz erforscht.

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buchtipp

DAS SECHSTE STERBEN. WIE DER MENSCH NATURGESCHICHTE SCHREIBT.

Wie keine andere Gattung zuvor haben wir Menschen das Leben auf der Erde verändert. In ihrem New York Times-Bestseller erklärt uns Elizabeth Kolbert, wie das geschehen konnte: Sie spricht mit Geologen, die verschwundene Ozeane erforschen, begleitet Botaniker, die der Waldgrenze in den Anden folgen, und begibt sich gemeinsam mit Tierschützern auf die Suche nach den letzten Exemplaren gefährdeter Arten.

von Elizabeth Kolbert (Ulrike Bischoff), Suhrkamp Verlag 2015