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FEBRUAR

DEM LEBEN AUF DER SPUR

SPUREN SIND DIE GESCHICHTEN, DIE DAS LEBEN SCHREIBT


Das Thema „Spuren“ lockt Interessierte ganzjährig hinaus in die Natur. Schnee ist ein besonders guter Untergrund für Hinweise. Wo haben Luchs, Fuchs oder Fischotter ihre Zeichen hinterlassen? Mit NATURSCHAUSPIEL und den erfahrenen VermittlerInnen kann die Fähigkeit des Fährtenlesens geübt werden. Bei diesen spannenden Führungen ist Aufmerksamkeit gefragt.

 

Auf der Suche nach Spuren aus der Vergangenheit ebenso wie auf der Jagd nach frischen Fährten von scheuen und verborgenen Tieren. So widmet sich diese Ausgabe besonders dem Luchs, der im Rahmen der Highlight-Tour dieses Schwerpunktthemas von Ranger Hermann Jansesberger im Nationalpark Kalkalpen vorgestellt wird.



Nichts geschieht, ohne eine Spur zu hinterlassen: Pfoten, Hufe, Klauen und Füße hinterlassen Abdrücke im Schnee, im Sand und auf weichen Böden. Ist der Untergrund zu hart, um Abdrücke aufzunehmen, bleiben immer noch Duftmoleküle zurück. Wo sich Tiere niederlassen, entstehen Schlaf- und Raststellen; wo sie sich sättigen, entstehen Fressspuren, und wo sie sich nach vollendeter Verdauung erleichtern, fallen Kotspuren an. Auch der menschliche Alltag in der technischen Zivilisation ist von Spuren nur so durchzogen: was der Mensch berührt, trägt seine Fingerabdrücke und wo er geht und steht, bleiben feinste Hautpartikel und Härchen zurück. Der nach dem Rauchen achtlos weggeworfene Zigarettenfilter oder der unter die Tischplatte geklebte Kaugummirest ist ebenso eine verwertbare Spur wie der Speichelfleck, der nach dem Ausspucken am Gehsteig zurückbleibt. Und seit neuestem zieht der Mensch mit Smartphone, Kreditkarte und Co auch elektronische Spuren.

Spurlos verschwunden - und wieder da

So mancher und so manches verschwindet aber auch spurlos. In unseren Breiten etwa Luchs, Wolf, Otter, Bär und Biber. Nun sind sie zurück und ziehen neue Spuren. Mitunter nachdrücklich und nicht zur ungeteilten Freude aller. So entstehen mit der Rückkehr der verschwundenen Jäger und Räuber in das dicht besiedelte und hochtechnisierte Land Konflikte, die ihrerseits Spuren – manchmal auch Wunden und Narben – hinterlassen.

Die Raumplanung des Landes Oberösterreich versucht, das Beste daraus zu machen und den Wildtierpopulationen durch die Schaffung sicherer Korridore Bewegungsraum und Vernetzungsmöglichkeiten zu verschaffen. WWF, der Naturschutzbund, der Landesjagdverband, die österreichischen Bundesforste und das Forschungsinstitut für Wildtierkunde setzen sich mit vielen anderen für das Überleben der wilden Heimkehrer ein und vermitteln so wie auch das Bibermanagement des Landes Oberösterreich in Richtung Jäger, Land- und Forstwirte.

Das Leben lesen lernen

Spuren erzählen Geschichten. Diese Geschichten zu begreifen, erfordert die Fähigkeit des Spurenlesens. Es ist eine Fähigkeit, die wohl annähernd so alt ist wie das Leben selbst. Menschen verstehen sich darauf ebenso wie Raub- und viele andere Tiere. Anders als die Tiere, denen ihre Instinkte zu Hilfe kommen, braucht der Mensch viel Wissen, viel Geduld und viel Übung, um Spuren richtig zu entziffern.

Spuren richtig zu lesen ist eine Frage des Überlebens. Denn wer keine Spuren lesen und aufnehmen kann, ist bei der Jagd auf Zufallstreffer angewiesen. Spuren verraten ihrem Leser ebenso, mit welchen anderen Lebewesen er sein Territorium noch teilt, wie sie ihm auch Auskunft über deren Gewohnheiten und Eigenschaften geben. Trittspuren geben Hinweise auf die Größe und das Gewicht ihrer Verursacher und sie zeigen, ob da jemand gemächlich unterwegs war oder auf der Flucht. Wissenschaftler können anhand von Spuren weitreichende Rückschlüsse auf die Anatomie der Spurengeber ziehen.

Spätestens seit der Möglichkeit zur DNA-Bestimmung sind Spuren auch endgültig persönliche Zeugnisse mit eindeutiger Beweiskraft, die es erlauben, die Geschichten des Lebens besser zu verstehen als je zuvor.



 

vermittler jansesberger

 

NATURVERMITTLER/IN IM PORTRÄT

HERMANN JANSESBERGER

 

Hermann Jansesberger ist Nationalpark Ranger. Einer, der mit seinem wettergegerbten Gesicht und seinem klaren Blick in jedem Western gute Figur machen würde. Doch Hermann Jansesberger ist nicht im Wilden Westen, sondern in der Wildnis der Kalkalpen zuhause. Ihre Gräben und Täler, ihre Bergrücken und Gipfel kennt er von Kindheit auf. Sein Bauernhaus ist das letzte in einem entlegenen Tal. „Ich kann von der Haustür aus aufbrechen und den ganzen Nationalpark durchqueren, ohne an der Zivilisation anzustreifen“, sagt Hermann Jansesberger.

 

Auf seinen langen Touren alleine oder bei geführten Touren sucht sein Auge die Umgebung stets nach Spuren ab. Entdeckt er die eines Luchses, schlägt sein Herz höher. Denn die Luchse im Nationalpark Kalkalpen sind der Stolz und die Leidenschaft des Rangers. Der Meuchelmord von Jägerhand an nachweislich einem und mutmaßlich mehreren anderen Luchsen hat ihn, der selbst seit Jahrzehnten Jäger ist, zutiefst getroffen: „Ein paar Kugeln Krimineller können unsere jahrelange Aufbauarbeit mit einem Schlag zunichte machen.“

Doch Jansesberger gibt seine Vermittlungsbemühungen zwischen Jagd und Naturschutz nicht auf: „Das sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Solange die beiden nicht zusammenarbeiten, steht das Überleben des Luchses auf Messers Schneide.“

 

 

art luchs

 

TIERPORTRÄT DES MONATS

LUCHS

PINSELOHR AUF LEISEN PFOTEN

 

Der Luchs ist hochbeinig, auffällig sind sein kurzer Schwanz und seine „Pinsel“, die Haarbüschel an den Ohrspitzen. Er nimmt eine wichtige ökologische Rolle als Beutegreifer in großen Waldgebieten ein. Seine Hauptnahrung sind Reh, Gams, Hase und Fuchs, die der Anschleichjäger meist in der Dämmerung überrascht. Im Jahre 1996 wurde der Luchs in der Region des Nationalparks Kalkalpen wieder nachgewiesen, wo er 150 Jahre lang ausgerottet war. Zur Bestandsstützung wurden dann drei wildlebende Luchse von der Schweiz in den Nationalpark umgesiedelt. Nachwuchs stellte sich ein, das Projekt schien geglückt, bis ab 2012 mehrere Kuder (Männchen) auf mysteriöse Weise verschwanden und schließlich einer Jägerin ein illegaler Abschuss nachgewiesen wurde. Auch im Mühlviertel gibt es Luchsvorkommen. WWF, Naturschutzbund, Landesjagdverband, die Österreichischen Bundesforste und das Forschungsinstitut für Wildtierkunde versuchen die Populationen zu vernetzen.

 

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highlighttouren2016 12

IM REICH DES LUCHSES

Rückkehr auf leisen Pfoten. In der Nationalpark Kalkalpen Region gibt es wieder einige Luchse. Bei dieser Luchs-Infotour im Hintergebirge wird die große, scheue Waldkatze mit den auffälligen Pinselohren wohl nicht auftauchen. Und trotzdem gibt es viel Spannendes und Wissenswertes zu entdecken. So erfährt man, mit welchen Methoden Luchs-Hinweise im Nationalpark gesammelt werden, was man über die Lebensweise der Anschleichjäger weiß und welche Tiere im Gebiet sonst noch in die Fotofalle tappen.

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buchtipp

LEBENDIGKEIT. EINE EROTISCHE ÖKOLOGIE

Der Biologe und Philosoph Andreas Weber stellt in seinem neuen Buch die brisante These auf: Kann es sein, dass unser Planet derzeit weniger an einer Umwelt- oder Finanzkrise leidet, sondern an einem Mangel an Liebe seiner Bewohner? Liebe und Erotik nicht verstanden als kitschiges Gefühl, sondern als unbändige Kraft der Fülle und schöpferischen Energie.

von Andreas Weber, Kösel Verlag 2014