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DEZEMBER

VERSUNKENE WELTEN

ÜBER IRRLICHTER, MOORGEISTER UND WILDE WEIBER


Es ist stockdunkel im Moor. Der jähe Ruf eines Vogels zerreißt die nächtliche Stille. Aus den Sümpfen blubbert es und ein plötzliches Knacksen lässt auf Beobachter aus dem Dickicht schließen. Unversehens betritt eine Gruppe Menschen im diffusen Laternenschein den Schauplatz...

 

Dies ist alles andere als eine Filmszene, sondern tatsächlich eine geführte Expedition von NATURSCHAUSPIEL.
Gerade im Dezember strahlen die Schauplätze Moor und Au eine besonders mystische Stimmung aus.
Zu unserem Schwerpunktthema plaudert die wundervolle Moorwächterin Maria Wimmer aus dem Nähkästchen, das Ibmer Moor und der faszinierende Sonnentau werden ins Rampenlicht gerückt.



Die Gestalt des oberösterreichischen Landschaftsbildes, besonders die Ausformung der Natur- und Kulturlandschaften ist maßgeblich ein Resultat Millionen Jahre alter geologischer Einflüsse. Oberösterreich verdankt sein Erscheinungsbild vor allem der Gebirgsbildung, als sich vor rund 18 Millionen Jahren das Tethys-Meer gänzlich zurückzog. Die Riffe und Lagunen dieses Ozeans sind am Dachstein und Gosaukamm teilweise noch zu erkennen, weiter nördlich findet man abgelagerte Schotter, Sande, Tone und sogar Fossilien. Perfekte Fundgruben für Naturforscher auf der Suche nach versunkenen Welten!

Nicht ganz so alt sind die Moore, die man in allen Landschaftsteilen finden kann. Sie sind Zeugen der jüngsten Verformungen, als sich die Gletscher nach den letzten Eiszeiten zurückzogen.

Schaurig schön

„Oh schaurig ists, übers Moor zu gehen“ schrieb Annette von Droste-Hülshoff, wahrlich schaurig ist es, in der Nacht oder Morgendämmerung durch das Ibmer Moor zu streifen. In der Fachwelt weit über unser Bundesland hinaus bekannt ist es der größte zusammenhängende Moorkomplex Österreichs. 12.000 Jahre alt und über 2.500 ha groß, erstreckt sich das große „Moos“ im Grenzraum zu Salzburg und Bayern. Über Jahrhunderte wurde hier Torf abgebaut und ein Netz an Entwässerungsgräben gezogen, nur ein kleiner Teil blieb verschont, viele Flächen stehen mittlerweile unter Naturschutz. Trotz der menschlichen Einflüsse zählt das Ibmer Moor zu den artenreichsten Mooren Mitteleuropas, hier sind fleischfressende Pflanzen wie Sonnentau und Feldkraut genau so zu Hause, wie die Bekassine oder Österreichs größte Familie an Brachvögeln. Zu den „Irrlichtern und Moorgeistern“ führen die begnadete Naturvermittlerin Maria Wimmer und ihr Team, Schulgruppen erforschen im Freiland-Labor das Leben im schaurig schönen Moor.


Lecker Latschen & Wilde Weiber

Österreichweite Berühmtheit erlangte das Gosauer Löckenmoos letzten Sommer, als es bei einer TV Show zu Oberösterreichs schönstem Platz gewählt wurde. Achtsame und lehrreiche Naturvermittlung wird an diesem Hochmoor bereits seit der Landesausstellung im Salzkammergut vor 8 Jahren durchgeführt. Für NATURSCHAUSPIEL führt Betty Jehle interessierte Gäste, davon viele Schulen, auf das 1.400m hoch gelegene Deckenmoor. Der Name Löckenmoos leitet sich von Latschen („Leckern“ ist die ortsübliche Bezeichnung für Latschen) ab, in Österreich kommt dieser Typ Moor nur in den Rätischen Alpen und im Pongau vor. Die Pflanzenwelt ist vom Mangel an Nährstoffen geprägt. Gut angepasst finden sich hier viele Torfmoosarten und hoch spezialisierte Pflanzen wie das Wollgras, die Moosbeere und wiederum der Sonnentau.

Nicht ganz so bekannt, aber nicht minder bedeutend ist das Tanner Moor im nordöstlichen Mühlviertel. Anfang der 1980er Jahre noch vom Torfabbau bedroht, entwickelt sich rund um Liebenau sanft der Naturtourismus. Diese Moore sind keine Erben der Gletscher, sondern unter anderem auf Versumpfungen, hohe Niederschläge und geringe Verdunstung zurückzuführen. Darüber und über Wilde Weiber, „Frauenkräuter“ und „Fuchtlmandln“ wissen Hermine Wiesmüller und Josy Kaufmann bei ihren Touren zu erzählen.

Denn: Moore sind geniale Wasserspeicher, verzweigte Filteranlagen und wichtige Klimaschützer, Moore sind aber auch hervorragende Geschichtenerzähler und mystische Geheimnisträger.



 

vermittler maria wimmer

 

NATURVERMITTLER/IN IM PORTRÄT

MARIA WIMMER

 

Wenn in der warmen Jahreszeit die Nacht über das Ibmer Moor hereinbricht, dann kühlt die bodennahe, kalte Luft ab und Nebel wallt auf. Rundum mag es sternenklar sein, doch die Moorlandschaft ist dann in eine dichte Nebeldecke gepackt. Maria Wimmer liebt dieses Schauspiel, das sich von einem höher gelegenen Ausflugsgasthaus verfolgen lässt. Und sie liebt die spezielle Nacht-und-Nebel-Stimmung im Moor, wenn die Konturen verschwimmen und die Totholzbäume mit einem Mal zu Schreckensfiguren wie aus dem Gruselkabinett werden.

 

„Jede Nacht im Moor ist anders“, erzählt die quirlige Naturführerin, die „ihr“ Moor zu allen Jahres- und Tageszeiten kennt, „je nach Wind und Wetter und je nach dem, wie es einem gerade selber geht.“ Das Moor in der Nacht erleben zu können, ist das Privileg von Maria Wimmer und ihren NATURSCHAUSPIEL-Gästen. Denn ohne Führerin ist der Aufenthalt im Schutzgebiet im Dunkeln verboten. Aus gutem Grund, schließlich sind im Lauf der Jahrhunderte viele Menschen auf rätselhafte Weise im Moor verschwunden. Wimmer: „Dieser Gefahren sind wir uns auch bewusst, wenn wir gemeinsam mit den Eulen in der Dunkelheit unterwegs sind“. Und zwar ausschließlich mit Kerzen-laternen, „weil Stirnlampen die schlafenden Moorvögel wie Bekassine und Brachvogel aufstören würden.“

Eine Taschenlampe hat sie dennoch immer mit: „Ich hatte einmal eine unheimliche Begegnung mit einem nächtlichen Moorwanderer, seither hilft bei Bedarf das gute Licht Bedrohliches im Moor rechtzeitig zu erkennen.“

 

 

art sonnentau

 

PFLANZENPORTRÄT DES MONATS

SONNENTAU

TÖDLICHE TAUTROPFEN

 

Wie morgendliche Tautropfen wirkt das klebrige Sekret an den Blättern des Sonnentaus (Drosera), mit dem kleinere Insekten angelockt und zersetzt werden. Die Nährstoffe aus den gefangenen Tieren helfen der Pflanze, auf nährstoffarmen Moorstandorten zu überleben. Das besondere Aussehen des Sonnentaus fiel den Menschen früh auf und so wurde er bereits von Alchemisten für ihre Heilmittel verwendet. Auch heute noch werden Wirkstoffe aus dem Sonnentau für Hustenmedizin eingesetzt. Die Pflanzen dafür stammen jedoch aus Kulturen. Denn die Nutzung der Lebensräume durch Trockenlegung, Torfabbau und Aufforstung führten dazu, dass alle drei in Oberösterreich vorkommenden Sonnentauarten gefährdet und daher auch geschützt sind. Schutz von Moorflächen und spezielle Artenschutzmaßnahmen sollen helfen, den Fortbestand des schimmernden Fleischfressers zu bewahren.

 

Die Gewinnspiele werden monatlich durchgeführt, Frist bis jeweils 30ten des Monats. Die Verlosung erfolgt bis zum 7ten des Folgemonats, die Gewinner werden schriftlich informiert. Hier die Teilnahmebedingungen

gewinnspiel

Im Dezember verlosen wir 5x für 2 Personen die Tour „Irrlichter und Moorgeister“ im Ibmer Moor. Fülle einfach das Formular aus & los geht’s! Viel Glück! (Gewinn bis Juni 2017 einlösbar)

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IRRLICHTER UND MOORGEISTER

Mit der Moorwächterin durch das abendlich mystische Ibmer Moor. Mit der Moorwächterin bei Sonnenuntergang durch das Ibmer Moor zu streichen, ist ein unvergessliches Erlebnis für Jung und Alt! Eines der vielfältigsten und artenreichsten Moore Mitteleuropas ist Rückzugsort einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt mit vielen vom Aussterben bedrohten Arten wie Sonnentau, seltenen Riedgräsern oder Orchideen. Auch Brachvogel und Bekassine finden ideale Lebensbedingungen und werden achtsam kennen gelernt. Im Laternenschein wird die beeindruckende Stimmung dieser sagenumwobenen Urlandschaft spürbar und so manches Moorgeheimnis ergründet.

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buchtipp

GEHEIMNIS MOOR: IM VORALPENLAND ZWISCHEN IBEN UND AINRING

Einen kleinen Garten Eden für sich zu entdecken das ist heute das erklärte Ziel vieler Erholungsuchender. Im Dreiländereck Oberösterreich, Salzburg und Bayern ist er zu finden. Ungestörte Natur, mächtige Wälder, sanfte Hügel, warme Badeseen und der mit 2.000 Hektar größte Moorkomplex Österreichs machen die vom Tourismus beinahe unberührte Region zu einer der spannendsten in den Voralpen.

von Kurt Wolfgang Leininger, Styria Regional 2014

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